Mit fast 1100 Gästen war es mein bisher grösstes Live-Publikum. Was mich beeindruckte und meine Nervosität rasch legte: Die Herzlichkeit der Gastgeber und das stille, neugierige Zuhören der Gäste.

Gesprochen habe ich über mein aktuelles Lieblingsthema: Die «falsche» Zukunft. Drei Beispiele sollten typische Verzerrungen im Zukunftsdenken sichtbar machen:

  • New York, 1900: Die Stadtplaner verzweifelten an den Nebenwirkungen der damaligen Supertechnologie «Pferd» und übersahen, dass in Zukunft eine ganz andere Technologie Mobilität und Logistik dominieren würde: Das Auto (das mit ganz neuen Nebenwirkungen einhergehen würde).
  • Techno-Haushalt, 1950: Die Werbung versprach den Hausfrauen mit Staubsaugern, Waschmaschinen & Co. eine Menge Freizeit. Was sie nicht beachtete: Neue Hygienestandards und die Erweiterung der Garderobe würden diese Zeitgewinne zunichte machen.
  • Club of Rome, 1972: Um die Grenzen des Wachstums zu modellieren, argumentierte die Autorenschaft mit 99 Variablen. Sie übersah aber soziale Innovationen. Recycling würde den Materialbedarf verringern, eine pflanzliche Ernährung den ökologischen Fussabdruck der Lebensmittel.

Was die «Falschen Zukünfte» zeigen: Verzerrungen der Zukunft entstehen, weil die Ausblicke die jüngste Vergangenheit modellieren – und wirklich wichtige Entwicklungen übersehen.

Was wenn, Klima-Technologien unsere Zukunft stärker prägen als KI, Antibiotika-Resistenzen mehr Einfluss haben werden als die demographische Alterung?