Zukunft der Arbeit

Referat bei Brainstore, März 2011

Inhaltsverzeichnis

Ich begrüsse Sie herzlich zu einem kurzen Einblick in die Zukunft der Arbeit. Ich werde in den nächsten 15 Minuten versuchen, Ihnen einen anregenden Einblick in verschiedene Aspekte der Zukunft der Arbeit zu geben. Wichtig erscheint mir der Hinweis, dass der Ausblick in die Zukunft immer etwas Subjektives beinhaltet und dass es ihre ganz persönliche Aufgabe sein wird, meinen Ausblick zu interpretieren und in Gedanken, Aktionen und Massnahmen umzusetzen. Ich habe meine Kurzpräsentation in vier Teile gegliedert. Nach der Schilderung der Ausgangslage widmen wir uns den Transformationskräften, welche die Arbeit verändern. Im zweiten Teil werden wir uns die neue Arbeit in vier Dimensionen etwas genauer anschauen. Am Ende des Vortrags stelle ich 6 Managementaufgaben vor, die mir für das Handhaben der neuen Arbeit wichtig scheinen.

Die Ausgangslage

Zur Ausgangslage. Sie interessieren sich dafür, wie und was in Zukunft Arbeit sein wird. Unabhängig vom Zweck der Frage scheint mir die Tatsache, dass sie fragen, ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ich denke aber, dass sich die Zukunft der Arbeit nicht isoliert betrachten lässt. Um die Zukunft der Arbeit beschreiben zu können, müssen wir uns auch mit der Zukunft der Wirtschaft, der Zukunft der Unternehmen, der Zukunft des Managements, der Zukunft des Menschen und der Zukunft unserer Bedürfnisse auseinandersetzen.

Die meiste repetitive Arbeit wird von den Maschinen erledigt werden. Was übrig bleibt, ist Wissens- und Emotionsarbeit, die das Einbringen unserer Persönlichkeit und unsere Kreativität verlangt.

Um die Zukunft zu verstehen, erscheint mir eine Gegenüberstellung von Zukunft und Gegenwart am wirkungsvollsten. Wenn wir in die Zukunft blicken, so können wir zwei grundsätzlich unterschiedliche Metaphern des Unternehmens unterscheiden. Wenn wir in die Vergangenheit schauen, so war das Unternehmen eine Maschine zur Befriedigung unserer Bedürfnisse. Sie zeichnete sich durch Massenproduktion aus. Arbeit war in vielerlei Hinsicht Zwang und deshalb fremdbestimmt. Der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin war eine Maschine. Wenn wir jedoch in die Zukunft schauen, dann ist das Unternehmen eine Identitätsgemeinschaft. Das Unternehmen orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen seiner Anspruchsgruppen, es orientiert sich und basiert auf deren Identitäten. Die Arbeit ist selbstbestimmt, die Arbeit ist Identitätsarbeit.

Diese Transformation werden wir in den nächsten Minuten gemeinsam etwas genauer betrachten. 3 Fragen stehen im Vordergrund: Was löst die Veränderung aus? Wie verändert die Transformation unsere Vorstellungen von Arbeit und schliesslich wie ist das Management gefordert?

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Die Transformation

Bevor wir uns der Beantwortung dieser Fragen zuwenden, wollen wir einen Blick auf die Kräfte werfen, welche die Welt von gestern und heute in die Welt von Morgen verwandeln. Es sind die 3 Transformationskräfte, die letztlich aus inneren Triebkräften des Menschen resultieren und alle erwähnten Dimensionen des Arbeitens betreffen. Es handelt sich um die Digitalisierung, die Individualisierung und die Emotionalisierung. Dabei sollte man sich immer daran erinnern, dass alle Transformationskräfte oder anders gesprochen, alle Megatrends immer auch zur Verstärkung ihres Gegentrends führen.

Die erste Transformationskraft ist die Digitalisierung. Seit einigen Jahren wachsen die Wissenschaften und die Technologien zur Superwissenschaft „Informationswissenschaft“ zusammen. Diese strebt die Digitalisierung sämtlicher Inhalte unseres Lebens an. Das Leben erhält eine neue Dimension. Durch das Internet wird das reale Leben gespiegelt. Denken wir diesen Gedanken konsequent zu Ende, dann führt die Digitalisierung zwangsläufig zum Cyborg, zum virtuellen Menschen, zu einem Menschen der nächsten Generation, zum Menschen 2.0. Die zweite Transformationskraft ist die Individualisierung. Der Mensch wird mit dem Wunsch geboren, sein Inneres zu entdecken und zu verwirklichen.

Aber erst die Moderne schafft durch ihre Relativierung der Fremdbestimmung, durch ihre Relativierung von Traditionen und Megasystemen wie der Kirche, dem Dorf und der Familie die Voraussetzung für eine umfassende Selbstverwirklichung. Die Emotionalisierung beschreibt die Tatsache, dass unser Leben immer mehr von Gefühlen geprägt ist. Das zeigt sich insbesondere in der Wirtschaft, wo wir als Kunden erwarten, dass uns Unternehmen nicht einfach Produkte verkaufen, sondern dass diese Produkte in unserem Inneren etwas auslösen. Die Emotionalisierung ist Folge des Wunsches nach Anerkennung. Die Menschen wollen in ihrem Wesen, aber auch in ihren Werken von anderen anerkennt werden. Die Emotionalisierung verstärkt sich durch die Individualisierung, da Menschen auf der Suche nach Sinn und Heimat sind und diese durch Gefühle finden.

Die Mitarbeitenden sind die besseren Aktionäre, weil sie engagierter und treuer sind.

Diese drei Kräfte fügen sich zur De-Materialisierung zusammen. De-Materialisierung beschreibt die Tatsache, dass der Anteil des materiellen Lebens im Verhältnis zum immateriellen Leben immer unbedeutender wird. Unsere physischen und materiellen Bedürfnisse sind befriedigt, entsprechend wenden wir uns unseren immateriellen Bedürfnissen zu. Wir wollen uns sicher fühlen, wir wollen vernetzt sein, wir wollen anerkennt werden und uns selber verwirklichen. Wir konsumieren immer mehr Dienstleistungen, was dazu führt, dass auch immer mehr Arbeitsinhalte immaterieller Natur sind. Musik, Filme, Software kaufen wir nicht mehr in physischer Form, sondern laden sie direkt auf unsere Geräte. Diese Geräte wachsen im übrigen immer mehr zusammen. Am besten ist dies natürlich bei Apple sichtbar, wo Iphone, Ipad, Ipod und Imac perfekt miteinander kompatibel sind.

Die De-Materialisierung wirkt sich nun auch auf die Arbeit aus. Auf einer Makro-Ebene können wir beobachten, wie sich die Grenzen der Organisation auflösen. Drei unterschiedliche Auflösungen sind zu beachten. Zu erst das Crowd Sourcing. Die Organisation holt sich die Ressourcen, um Erfolg zu haben immer mehr aus ihrer Umwelt. Die wichtigste Ressource der Zukunft ist das Wissen, aber das Wissen ist nicht auf die eigenen Mitarbeitenden beschränkt. Crowd Funding meint, dass die Finanzierung in Zukunft nicht nur von Banken und Aktionären bestellt wird, sondern dass auch Kunden und Mitarbeitende die Zukunft des Unternehmens finanzieren wollen. Schliesslich beschreibt Crowd Controlling die Übertragung von Kontrollfunktionen an die Mitarbeitenden und die Kunden.

Die Unternehmen der Zukunft sind dezentral gesteuert. Mitarbeitende und Kunden kennen das Tagesgeschäft des Unternehmens am besten und werden in Zukunft stärker in Entscheidungsprozesse integriert werden. Die Entgrenzung zeigt sich auch auf der Mikro-Ebene der Arbeit. Die Zukunft der Arbeit zeichnet sich durch die Relativierung früherer Grenzen aus. So vermischt sich der Arbeitsraum mit dem Freizeitraum. Arbeit ist nicht mehr an einen fixen Ort gebunden. Das führt auch dazu, dass sich die Arbeitszeit mit der Freizeit mischt und dass der Lifestyle wesentlich vom Workstyle, also von der Art und Weise wie jemand arbeitet, geprägt ist. Die Entgrenzung wird wesentlich ermöglicht, weil wir immer mehr Zeit online verbringen. Der lebenslange Arbeitsvertrag weicht dem Projekt, bei dem sich auch die Prozesse des Arbeitens und Lernens vermischen. Durch die Auflösung der Grenzen der Organisation können wir häufig nicht mehr genau sagen, ob jemand ein Mitarbeiter oder ein Kunde ist. Weitere Grenzen die sich auflösen sind die zwischen dem Ruhestand und der Erwerbstätigkeit wie auch diejenigen zwischen der bezahlten und unbezahlten Arbeit.

Ich möchte an dieser Stelle kurz zusammenfassen. Ich tue dies nicht, indem ich das bisherige wiederhole sondern die Frage stelle, ob wir in Zukunft das Ende der Arbeit der erleben. Die Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Für das Ende der Arbeit spricht, dass Maschinen immer mehr unserer repetitiven Arbeit erledigen. Das führt dazu, dass die klassische Erwerbsarbeit an Bedeutung verliert. Der Arbeitsplatz wird durch multiple und identitätsstiftende Projekte ersetzt, die zum Teil durch Geld, zum Teil durch die Produkte des Unternehmens oder durch den Zugang zu den Netzwerken des Unternehmens ersetzt werden. Unsere materiellen Bedürfnisse sind befriedigt, immer mehr Arbeit ist immaterielle Arbeit, zudem ist immer mehr Arbeit digitale Arbeit. Für diese Form der Arbeit braucht es keine Unternehmen und keine Arbeitsplätze im gewohnten Stil.

Gegen das Ende der Arbeit und für das Fortfahren der Arbeit im bisherigen Stile spricht, dass wir immer neue Bedürfnisse erfinden und deshalb immer neue Arbeit anfällt. Das gilt gerade auch für die materiellen Bedürfnisse, die in einem Kontext der De-Materialisierung paradoxerweise erstarken. Die Maschinen werden noch lange nicht in der Lage sein, alle unsere Arbeit zu erledigen. Das Unternehmen wird auch deshalb am Leben bleiben, weil einerseits viele Menschen in offenen Strukturen überfordert sind und es dazugehörig Menschen, Institutionen und Eliten geben wird, die von dieser Suche nach Orientierung profitieren wollen. Schliesslich werden nicht alle Menschen fähig sein, sich an Hyperwissens- und Hyperkreativitätsgesellschaft zu beteiligen.

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Die neue Arbeit

In der Folge lernen wir die neue Arbeit etwas genauer kennen. Wir werden die neue Arbeit in vier Dimensionen erkunden: In einer inhaltlichen, einer architektonischen, einer sozialen und einer symbolischen Hinsicht.

Die inhaltliche Dimension der Arbeit beschreibt, mit welchen Inhalten die Menschen ihren Arbeitsalltag verbringen. Arbeit dient dazu, unsere Innen- und Aussenwelt miteinander zu synchronisieren. Das heisst, dass die Leistungen eines Unternehmens dazu dienen, die Persönlichkeit der Kunden zu definieren und zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig ist die Arbeit natürlich auch ein Instrument der Mitarbeitenden, um an ihrer Identität zu arbeiten.

Früher waren die Bedürfnisse der Kunden physischer und materieller Natur. Organisationen waren darum bemüht, in kurzer Zeit eine hohe Anzahl an Bedürfnissen in derselben Art und Weise zu befriedigen. Arbeit war körperliche Arbeit, durch die Massenproduktion war Arbeit für viele Menschen repetitive Arbeit. Arbeit vollzog sich nach dem immergleichen Schema, eine persönliche Interpretation der Arbeitsaufgaben war nicht erwünscht, wenn nicht sogar ausdrücklich verboten. Die Inhalte der Arbeit waren für die meisten Menschen von oben, das heisst vom System und von ihren Vorgesetzten bestimmt. Die Arbeitsinhalte waren fremdbestimmt, von aussen bestimmt. Die Arbeit konnte so nicht mehr als Mittel zum Zweck sein.

In Zukunft ist Arbeit zu weiten Teilen immaterielle Arbeit. Da die meisten materiellen Bedürfnisse der Kunden befriedigt sind, treten die immateriellen Bedürfnisse in den Vordergrund, was entsprechend eine De-Materialisierung der Arbeit mit sich führt. Die meiste repetitive Arbeit wird von den Maschinen erledigt. Was übrig bleibt, ist Wissens- und Emotionsarbeit, die das Einbringen unserer Persönlichkeit und unsere Kreativität verlangt. In Zukunft sind die Arbeitsinhalte von unten, das heisst von den Kunden bestimmt. Arbeit ist auch von innen bestimmt, das heisst die Mitarbeitenden sehen Arbeit als Teil ihrer Selbstverwirklichung an. Diese Ausführungen gelten indes nicht für alle. Nicht alle verfügen über die Kompetenzen, um den steigenden Anforderungen der Arbeit nachzukommen.

Die zweite Dimension, in der man Arbeit betrachten kann, ist die architektonische Sicht. Hier gilt es ebenso die reale wie auch die virtuelle Architektur eines Unternehmens zu berücksichtigen. Wenn wir das Unternehmen der Zukunft mit einer Metapher beschreiben wollen, so fällt die Wahl auf das Netzwerk. Die Organisationen der Vergangenheit waren Pyramiden. Sie wurden von einer kleinen Spitze beherrscht, die Befehle von oben nach unten weitergegeben hat. Genau wie Pyramiden, die durch den Stein verschlossen sind, waren die Organisationen der Vergangenheit abgeschlossene Systeme, welche die Umwelt klar von der Inwelt getrennt haben. Entsprechend gab es eindeutige Realitäten, die von den Herrschenden vorgegeben wurden. Die Mitarbeitenden, die Abteilungen und Unternehmen arbeiteten isoliert.

Die Kommunikation kannte einen exakten Weg und lief meistens nur von oben nach unten und von innen nach aussen. Die Architektur war funktional, zweckmässig, zuweilen zufällig. In Zukunft wiederspiegelt die Architektur des Unternehmens die Markenwerte, zu denen sich ein Unternehmen bekennt. Die Architektur wird zum Statussymbol. Passend zu den entgrenzten Unternehmen passen offene, mobile Systeme, die sich durch Transparenz und Flexibilität auszeichnen. Die Grenzen zwischen aussen und innen zeigen sich aufgelöst, das Unternehmen ist offen für seine Kunden und Mitarbeitenden. Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit, zwischen Arbeitsort und Wohnort werden flüssig. Das Unternehmen ist Teil eines Unternehmensnetzwerkes. Auch im Inneren ist das Unternehmen ein Netzwerk. Das liegt insbesondere daran, dass das Unternehmen digital unterlaufen ist.

In Zukunft ist Arbeit geprägt von den Bedürfnissen der Mitarbeitenden, die durch die Arbeit Sinn, Orientierung, Heimat, Gemeinschaft, kurz: Identität suchen.

Schauen wir uns das Unternehmen der Zukunft aus einer sozialen Perspektive an, so ist es am besten mit einem intelligenten Schwarm zu vergleichen. Solche Schwärme kennen wir aus dem Tierreich, wo sich Ameisen, Bienen, Fische oder Vögel selbstorganisiert und ohne lenkendes Zentrum verhalten. Sie verhalten sich so, als würden sie zusammen ein Wesen der höheren Ebene hervorbringen. Das Unternehmen von gestern hielt seine Mitarbeitenden extrem ausgedrückt wie Tiere im Stall. Die Mitarbeitenden arbeiteten in klar abgegrenzten Gebieten. Was oben und unten war, war klar abgegrenzt, genauso wie innen und aussen klar getrennt war. Es gab klare Hierarchien, klare Rangordnungen, klare Weisungsbefugnisse. Das System war zentral gesteuert.

Die Vorteile des Systems sind klar: Es können in kurzer Zeit viele Bedürfnisse befriedigt werden, was die Ausweitung der Produktion und letztlich die Erhöhung der Marktmacht erlaubt. Die Nachteile sind ebenso klar: Das Wissen der Mitarbeitenden wird unzureichend genutzt und es wird wenig individuell auf die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitenden eingegangen. Das zukünftige Unternehmen ist ein intelligenter Schwarm. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass es zu vielfältigen Beziehungen zwischen den Beteiligten des Unternehmens kommt. Oben-Unten, Aussen-Innen gehen vielfältige Interaktionsbeziehungen ein, die letztlich dazu dienen, die individuellen Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen. Das Unternehmen wird dezentral gesteuert, indem alle Beteiligten ihren Beitrag zur Kontrolle und Weiterentwicklung des Unternehmens einbringen. Das Effizienz-Paradigma wird von der Customer-Value-Philosophie abgelöst. Das Unternehmen wird so gestaltet, dass die Bedürfnisse der Kunden ins Zentrum gerückt werden.

Abschliessend betrachten wir die symbolische Ebene. Der Slogan „Arbeit als Identitätsarbeit“ bringt zum Ausdruck, dass die Arbeit sowohl aus Sicht der Kunden als auch als Sicht der Mitarbeitenden stark mit ihrer Identität verknüpft ist. Für Kunden und Mitarbeitende ist die Arbeit bzw. die Wertschöpfung ein Mittel, um an ihrer Identität zu arbeiten. Früher war Arbeit geprägt von extrinsischer Motivation. Die Mitarbeitenden taten, was man ihnen sagte zu tun. Arbeit war ein Mittel zum Zweck. Im Vordergrund stand der Lohn, der als Gegenleistung zur Arbeitsleistung ausbezahlt wurde. Der Lohn wiederum wurde dafür eingesetzt, sich mit materiellen Statussymbolen einzudecken. Geld strukturierte die Gesellschaft und bestimmte, wer wo dazugehörte. Entsprechend schauen die Manager insbesondere darauf, dass die Kosten stimmen, um am Ende des Jahres möglichst viel Geld zu verteilen.

In Zukunft ist Arbeit geprägt von den Bedürfnissen der Mitarbeitenden, die durch die Arbeit Sinn, Orientierung, Heimat, Gemeinschaft, kurz: Identität suchen. Die Identität des Unternehmens gibt vor, welche Kunden und welche Mitarbeitenden sich an einem Unternehmen beteiligen. Wir leben in einer de-materialisierten, ästhetisch aufgeladenen Welt, die voller Symbole ist. Arbeit dient dazu, diese Symbole hervorzubringen und neu zu kombinieren, aber auch dazu, diese Symbole zu entziffern. Der in Form von Geld ausbezahlte Lohn verliert in einer materiell gesättigten Welt an Bedeutung. Ebenso wichtig sind der Zugang zu den Ressourcen und den Netzwerken des Unternehmens. Die Mitarbeitenden und Kunden wollen auch Eigentümer des Unternehmens sein. Sie sind die besseren Aktionäre, weil sie engagierter und treuer sind. Arbeit ist nicht nur für das Unternehmen wichtig, sondern auch für die Mitarbeitenden, die mit ihrem Portfolio von Arbeiten das Unternehmen irgendwann verlassen und deshalb das Portfolio ihrer Werke im Internet laufend pflegen.

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Die Managementaufgaben

Im letzten Teil unserer gemeinsamen Entdeckungsreise widmen wir uns den Managementaufgaben, mit Hilfe derer die Unternehmen die Transformation erfolgreich bewältigen.

Die erste Aufgabe liegt in der Akzeptanz der Veränderung. Versuchen Sie nicht das Unmögliche, indem sie versuchen, die Zukunft aufzuhalten. Im Gegenteil, erkunden Sie die Zukunft frühzeitig und packen sie die Gelegenheit, die Geschichten der Zukunft selber zu schreiben. Hören Sie ihren Mitarbeitenden zu und kümmern Sie sich um deren Bedürfnisse und Visionen.

Die zweite Aufgabe liegt in der Gestaltung der Arbeitsplätze. Das gelingt am einfachsten, indem Sie sich eine Metapher zu Herzen nehmen und das Unternehmen entsprechend gestalten. Mögliche Metaphern könnten das Archiv, das Hirn, das Labor, der Workshop, das Atelier, der Zirkus, die Bar oder die Diskothek sein. Die Wahl der Metapher hängt davon ab, wieviel Wissen und Emotionen Ihre Leistungen beinhalten und wie Sie die Interaktion mit Ihren Anspruchsgruppen gestalten wollen.

Die dritte Aufgabe liegt in der Förderung der Schwarmintelligenz. Die Förderung der Schwarmintelligenz gelingt, indem nicht das einzelne Individuum geführt wird, sondern indem das Management die Arbeitsbedingungen aller Beteiligten eines Unternehmens optimiert. Dabei hat der Schwarm vier Merkmale, die berücksichtigt werden sollten. Der Schwarm organisiert sich durch Selbstmanagement, er zeichnet sich durch Wissensvielfalt aus, Führung erfolgt indirekt und die Anpassung des Schwarms passiert durch Nachahmung, das heisst durch soziales Lernen.

Die vierte Aufgabe liegt in der Nutzung der Chancen, welche die Digitalität bietet. Realität und Virtualität verhalten sich symmetrisch, ihr Unternehmen findet immer gleichzeitig in der Realität und der Virtualität statt. Die Digitalisierung zu nutzen, heisst neue Instrumente wie das Ipad oder diese digitale Schiefertafel zu nutzen. Durch die Digitalisierung werden auf einfache Art und Weise neue Freiheiten ermöglicht. Die Digitalisierung zu nutzen, heisst schliesslich, die Digitalität bewusst in Schranken zu weisen und zu definieren, wann das Unternehmen offline ist. So gibt es Unternehmen, die bewusst eMailfreie Tage angeordnet haben.

Die fünfte Aufgabe liegt in der Nutzung der Kunden als Wissensquelle. Ihre Kunden wissen am besten über Ihre Produkte und Leistungen Bescheid. Nutzen Sie das Wissen Ihrer Kunden, um Ihre Produkte zu verbessern und mit Inhalt zu füllen. Mein Lieblingsbeispiel ist das Videospiel Littlebigplanet für die Playstation 3. Das Spiel hat zusammen mit seinen Nutzern 2 Millionen verschiedene Levels erarbeitet, welche der Spielgemeinschaft zur Verfügung stehen. Littlebigplanet hat so eigentlich nur die Bausteine des Produktes produziert, das eigentliche Produkt, das Erlebnis aber wurde von den Nutzenden konstruiert.

Die letzte hier thematisierte Aufgabe ist diejenige des Identitätsmanagements. Da sind zum einen die Identitäten von Mitarbeitenden und Kunden, die durch das Unternehmen zum Leben erweckt, inszeniert, vernetzt und verwirklicht werden wollen. Da ist aber auch die Identität des Unternehmens, die als Scharnier zwischen den Identitäten der Anspruchsgruppen fungiert. Das Unternehmen ist eine Identitätsgemeinschaft. Da aber Identität nie abgeschlossen ist, ist Identität ein Prozess, der permanent gestaltet, weiterentwickelt und überwacht werden sollte. Die Identitätsprozesse der Zukunft verlangen Autonomie und Feedback statt Hierarchie und Kontrolle. Identität kann sich nur dann entfalten, wenn das Individuum frei und selbstbestimmt agieren kann.

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