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Wie Einhörner die Zukunft des Gesundheitswesens gestalten – Teil II

Illustration von Julia Weiss
Einhornkapitalismus – Teil I
Einhornkapitalismus – Das Buch

DRAFT vom 12. JULI 2020

Vor fast zwei Jahren wurden hier milliardenschwere Start-Ups beschrieben, die sich aufgemacht hatten, das Gesundheitswesen der Zukunft zu errichten. Es ist an der Zeit, die aktuelle Lage zu prüfen. Seit September 2018 (17) ist die Anzahl der Health Unicorn deutlich gestiegen. Nun denken 34 Tiere unsere Gesundheit neu. Zusammen werden sie mit 88 Milliarden bewertet (Stichtag 2. Juli 2020). Die meisten Tiere (19) stammen aus den USA, neun aus Europa, fünf aus China, eines aus Südkorea. Etwa ein Drittel der Health Unicorns (12) kam seit September 2018 neu dazu. Hier werden zehn von ihnen vorgestellt, bevor der Blick noch weiter in die Zukunft gerichtet wird. Der zweite Teil des Blogposts gehört zehn vielversprechenden Einhornembrios aus Europa.


Neue Health Unicorns

Alto Pharmacy (USA, 1 Mrd.)

Ask your pharmacist, not the Internet

Alto Pharmacy ist eine Online-Apotheke. Basierend auf ärztlichen Rezepten werden die Medikamente durch Kuriere kostenlos nach Hause geliefert. Alto versteht sich als zweiseitige Plattform, die sich einerseits an Praxen und anderseits an Patienten richtet. Den Ärztinnen und Ärzten wird versprochen, die Papierarbeit abzunehmen. Eine durchschnittliche Praxis würde so drei Stunden pro Tag einsparen. Auf Seiten der Patientinnen positioniert man sich mit vier Schwerpunktthemen an der Schnittstelle zu Lifestyle: Dermatologie, Fertilität, Mentale Gesundheit und sexuelle Gesundheit. Zu letztem gehört der Versand von PrEP, um sich mit Pillen vor HIV/Aids zu schützen. Der Versand wird durch eine telemedizinische chatbasierte Beratung in der eigenen App flankiert – wenn man zum Beispiel unsicher in der Anwendung der Medikamente ist. Als COO amtet seit kurzem der ehemalige CEO des einhörnigen eZigaretten-Herstellers JUUL.

InSightec (ISR, 1.3 Mrd)

Using sound waves to treat instead of a scalpel

InSightec wurde zwar schon 1999 gegründet, aber erst im Juni 2020 zum Einhorn. Das israelische Start-Up will das Operieren neu erfinden. Statt mit dem Skalpell will man Patientinnen künftig mit Ultraschall behandeln. Das würde Eingriffe ohne Narben und Infektionen sowie mit kürzeren Aufenthalten im Spital ermöglichen. Operieren will das israelische Start-Up bei neurologische Erkrankungen, Protastakrebs, Metastasen in Knochen und Uterus-Myomen. Der Fokus der Tätigkeit liegt momentan auf der Behandlung von Parkinson bedingten Tremoren. Hintergrund: 1 Prozent der über 60-Jährigen ist von der Krankheit betroffen. In der neuartigen Operation werden Gehirnareale mit einer Art Helm präzise behandelt. Zum Geschäftsmodell gehören diagnostische Leistungen. Seit 2016 kooperiert man mit Siemens Healthcare.

CMR Surgical (UK, 1 Mrd)

Our aim at CMR Surgical is to make minimal access surgery available to all

Auch CMR Surgical Einhorn arbeitet am Operationsaal der Zukunft. Zu den überzeugten Investoren gehören ABB, LGT und GE Healthcare. Anders als bei Insightec wird bei CMR Surgical der Körper immer noch augeschnitten, allerdings mit Hilfe von Robotern. Für die minimalinvasiven Eingriffe verkauft das britische Einhorn das «Versisus surgical robotic system».. Der medizinische Direktor streicht Kompaktheit, Modularität und Mobilität als Differenzierungsvorteile gegenüber anderen Anbietern hervor. Diese Vorzüge würden das System vergleichsweise günstig machen. Zum Angebot gehören Traniningseinheiten, um das neuartige Operieren einzuüben. In den Imagevideos werden effektvoll weissglänzende Roboterarme vor schwarzem Hintergrund präsentiert. Höchstpräzise gehen sie mit Klammern, Sägen und Messern um. Allerdings amten sie nicht autonom, sondern werden noch von einem Menschen kontrolliert. Überhaupt schenkt man dem Zusammenspiel von Mensch und Maschine grosse Bedeutung. Das Einhorn spricht von Human Technology.

Roivant Sciences (CH, 9.1 Mrd)

We are a new type of biopharmaceutical company focused on applying technology to drug development

Das Pharmaunternehmen Roivant Sciences hat sich in den letzten Monaten hinter Global Switch (UK, Datenzentren, 11 Mrd.) zum zweit höchst bewerteten Start-Up Europas überhaupt gemausert. Hintergrund sind Finanzspritzen des Vision Funds von Softbank. 2018 investierte der japanische Konzern 1.1 Milliarden in das Schweizer Start-Up. Das Unternehmen identifiziert und übernimmt Wirkstoffe, die in der Pipeline von Biotech- und Pharmakonzernen steckengeblieben sind. Um an der Gesundheit der Zukunft zu arbeiten, arbeitet man mit Vants (Aussichtspunkten) – «nimble, entrepreneurial biotech and healthcare technology companies with a unique approach to sourcing talent, aligning incentives, and deploying technology». Notfalls kann man sie sterben lassen. In den letzten Monaten kamen “technology focused Vant” dazu, um den “Entwicklungs- und Kommerzialisierungsprozess” von Medikamenten zu verbessern. Zu den 16 Schnellboten der Bio-Tech-Holding gehören Immunovant (Immunsystem), Dermavant (Dermatologie) und Respivant (“Respiratory Diseases”). Die Büros befinden sich in Basel und New York.

Babylon Health (UK, 2 Mrd)

We’re for health, for all

Babylon Health ist eines von vielen Einhörnern, das leidenschaftlich in die Märkte der Telemedizin vordringt. Wie bereits bei Alto Pharmacy, wird die Plattform zweiseitig gedachte, mit Ärztinnen auf der einen Seite und Patienten auf der anderen. Hintergrund der Aggresivität ist das Rennen um die vordersten Plätze in einem Wettbewerb, der mit grosser Wahrscheinlichkeit den Regeln der Plattformökonomie folgen wird. Ist dies der Fall gehen die Märkte relativ schnell mit einer Oligopol-Struktur einher. In der Mission von Babylon Health ist ein en solches Streben natürlich nicht erkennbar. Sie wird weniger kapitalistisch formuliert. Ziel sei es allen Menschen auf Erden Zugang zu bezahlbaren Gesundheitsdienstleistungen zu verschaffen. Das Team ist interdisziplinär aufgestellt. Neben Ärzten arbeiten Mathematiker und Ingenieure an der Zukunft. Das erstaunt nicht, wenn man sich die Lösung von Babylon anschaut: Es ist eine App mit einem einfachen Geschäftsmodell. Eine jährliche Flatrate kostet 149 Pfund. In die App ist der Chatbot “Ask Babylon” eingebaut. “Babylon understands symptoms you enter and provides you with relevant health and triage information”.

Doctolib (FRA, 1.14 Mrd)

Construire le système de santé de demain

Doctolib arbeitet an der Reform des französischen Gesundheitssystems. Dabei schaut man sich in erster Linie die Prozesse an, die digital neu interpretiert werden. Ärzten verspricht man die Praxis der Zukunft zu bauen – unter anderem durch Digitalisierung und Automatisierung der Terminfindung und Krankenakten. Patienten können online ihre Krankengeschichte einsehen und diese mit einem Klick anderen zugänglich machen. Doctolib will den Behandelten nicht nur die Macht über Ihre Daten zu geben sondern auch die Zusammenarbeit im Gesundheitssystem verbessern. Zum Geschäftsmodell von Doctolib gehört zudem eine Buchungsplattform für Arzttermine. Auf der Plattform lässt sich einfach nach Ärzten suchen, zum Beispiel einem Bauchchirurgen und gleich auf der Plattform mit wenigen Klicks einen Termin vereinbaren. Die Ärztinnen und Ätzte präsentieren sich wie auf anderen sozialen Medien mit Fotos und Lebenslauf. Eine Preiskatalog gibt es auch, interessanterweise aber keine Ratings. Mat man die Wahl zwischen einem persönlichen Treffen und einer Konsultation “en vidéo”.

Devoted Health (USA, 1.8 Mrd)

Easy. Affordable. And a whole lot more caring

Devoted Health ist eine US-amerikanische Krankenkasse, die sich aber als «Provider» von Gesundheitsangeboten bezeichnet. Zu den Investoren gehören unter anderem die Super Angel Andreessen Horowitz. Ende 2019 hatte man eine Bewertung von 1.8 Milliarden erreicht, ohne einen einzigen Kunden zu haben. Devoted Health vermittelt Ärzte und Apotheken - zurzeit erst in Texas und Florida. Man konzentriert sich auf die ältere Bevölkerung. Diese sehe sich eine, «confusing, expensive, impersonal» System gegenüber. Im Hintergrund setzt Devoted Health auf neue Technologien. Mit Predicitive Analytics sollen Krankheitsverläufe frühzeitig erkannt beziehungsweise wohl auch Kosten und Risiken geschätzt werden. Die Datenorientierung wird deutlich durch das Engagement von DJ Patil, der Chief Data Scientist bei LinkedIn und eBay war. Bright Health ist eine andere Krankenkasse (USA, 1 Mrd.), die sich unter den neuen Einhörnern tummelt.

Hims (USA, 1.1 Mrd)

All things men’s wellness

Auch Hims ist ein Einhorn aus den USA. Es handelt sich um ein Startup, das sich an der Schnittstelle von Gesundheit und Lifestyle bewegt und sich explizit an Männer richtet. Die Angebote gliedern sich zurzeit in fünf Bereiche: Haarausfall, Sexualität, Hautpflege, Nahrungergänzungsmittel und psychische Gesundheit. Ausserdem gibt es einen COVID-19-Schnelltest für Zuhause. Bei letzterem werden neben Pillen (Propranolol) gegen «Performance Anxiety» verschrieben und seit neuem “Anonymous Support Groups” angeboten. The world has been turned upside down. We feel it too.. In Zukunft will man auch Gesprächstherapien per Video und Telefon anbieten. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten wie Finasterid gegen Haarausfall oder Tadalafil gegen Erektionsstörungen erfolgt nach dem Checkout ein «Online Assessment». Bei Hims sieht alles nach natürlichem und exklusivem Lifestyle aus, die Vitamine werden in Form von Gummibärchen verpackt, die Models sind tätowiert und tragen lange Bärte.

Lyell Immunopharma (USA, 1.16 Mrd)

Curative cell-based immunotherapies for human disease

Das Biotech Unternehmen Lyell Immunopharma aus San Francisco will unser Immunsystem besser verstehen. Im Zentrum stehen T-Zellen, um Therapien gegen feste Tumore zu entwickeln. Dabei sollen die patienteneigenen Zellen zu Medikamenten werden. T-Zellen sind eine Gruppe unserer weissen Blutzellen und übernehmen überwachende und zerstörende Funktionen im Immunsystem. Zusammen mit dem Pharma-Riesen GlaxoSmithKline will man deren «Fitness» steigern. Ein Ziel der Partnerschafte ist die Produktion von Immuntherapien, um Tumore zu bekämpfen. Lyell dürfte hervorragend vernetzt sein. Gründer und CEO ist Richard D. Klausner. Er leitetet das National Cancer Institut der USA (mit einem jährlichen Budget von 5 Milliarden) und leitete die Bill & Melinda Gates Stiftung.

Orca Bio (USA, 1 Mrd)

We are committed to advance a new class of cell therapies that will safely reboot a patient’s immune system to defeat cancer

Eines der jüngsten Einhörner überhaupt ist Orca Bio. 2016 gegründet, wurde es innert kürzester Zeit, am 17. Juni dieses Jahres, als Einhorn wieder geboren. Zum Verwaltungsrat gehören der eben angetroffene Richard Rick Klausner sowie der frühere CEO von Novartis, Joe Jimenez. Das amerikanische Start-Up arbeitet an «hochpräzisen» und personalisierten Zelltherapien für Gen, Blut- und Immunsystemkrankheiten, zum Beispiel Leukämien. Blut- und Immunsysteme sollen «reprogrammiert werden», indem entnommenes Material Zelle für Zelle neu «sortiert» wird. Wie bei Lyell spielen auch bei Orca Bio die T-Zellen eine wichtige Rolle. Eine erste Anwendung befindet sich gegenwärtig in der klinischen Testphase. Ziel der Forscherinnen und Forscher ist es die Probleme heutiger Behandlungen, wie Infektionen, Akzeptanz neuer Zellen und Rückfälle zu verhindern.


Europäische Health Einhornembryonen

Der zweite Teil verlässt das Ranking der Einhörner von CB Insights und stellt weniger hoch dotierte Unternehmen vor. Sie mögen zwar weniger Wert haben, sind deswegen aber nicht weniger interessant um die Zukunft zu studieren. Der Fokus liegt auf gut finanzierten Start-Ups Europas sowie Schweizer Health-Tech-Unternehmen.

Sophia Genetics (SWI)

Democratizing Data-Driven Medicine

Zu den höchsten bewerteten Health-Tech Start-Ups Europas gehört das Schweizerische Unternehmen Sophia Genetics. Entstanden ist im Umfeld der EPFL. Das Zentrum des Unternehmens bildet Sophia, eine «Collective Artitifial Intelligence». Sie hilft Medizinerinnen, genetische Informationen schnell und zuverlässig zu interpretieren. Es wird eine Art globales Lexikon angestrebt. Daten aus Paris könnten Patienten in London oder New York helfen. Pro Monat wird das Genom von zusätzlichen 10.000 Patienten in das Gehirn von Sophia upgeloadet. Langfristiger Ziel von Sophia Genetcis sind personalisierte Medikamente mit hoher Wirksamkeit. Krebs soll eine chronische Erkrankung werden. Neben der Genetik strebt Sophia Genetics nach Lösungen in der Bildanalyse der Pneumologie, Urologie und Neurologie. Der Imageclip unterstreicht die Bedeutung des Datenschutzes. Man arbeite gemäss den Gesetzen des europäischen Datengesetzen.

KRY (SWE)

Sprich mit einem Arzt online – wann du willst, wo du willst

Auch das schwedische KRY will mittels Telemedizin das Gesundheitssystem aufrütteln. Schweden gilt als Pionier in der Telemedizin. Bereits im April 2018 gab es 35.000 Online Konsultationen. Damals kam die Kundschaft klar aus dem urbanen Raum. 90% der Patientinnen und Patienten waren unter 50 und 43% kamen aus Stockholm. Losgegangen sei der Boom durch den Entscheid der Regionalverwaltung Jönköpings, für Videokonsultationen gleich viel zu bezahlen wie für analoge. Mit seiner App will das Start-Up die Kosten, Wartezeiten und den administrativen beziehungsweise logististischen Aufwand für die Patienten so gering wie möglich halten. Ein durchschnittliches Gespräch mit einem Arzt dauere 15 Minuten, jene mit Psychologen doppelt so lange. Seit 2018 ist viel passiert. KRY ist in Norwegen, Spanien, Frankreich, Deutschland und England tätig und gilt als am meisten heruntergeladene Telemedizin-App Europas. Für Personen mit COVID-Verdacht bietet man kostenlose Beratung an. Das dürfte nicht ganz uneigennützig sein, KRY wird es darum gehen, neue Kunden zu gewinnen.

Oura Health (FIN)

Understand the rhythms of your body to transform your health

Oura Health ist ein finnisches Unternehmen, das einen intelligenten Ring herstellt. Vermessen werden Puls, Temperatur und Aktivitäten – um «ein holistisches Abbild» der Gesundheit zu erhalten. Zum 300-Dollar teuren Ring gehört eine App mit der man seine Werte aufzeichnen und analysieren kann. Im Vergleich zu smarten Uhren, welche die Werte am Finger aufzeichnen, sei Oura viel präziser. Nur wenige Wearables würden die Körpertemperatur direkt an der Haut messen. Den theoretischen Hintergrund von OURA bildet die Chronobiologie beziehungsweise die Circadiane Rhythmik. Es ist ein “In-Thema” in der Medizin. 2017 gewannen drei Chronobiologen den Nobelpreis für Medizin. Sie zeigten, wie sich unsere innere Uhr bis auf die Ebene der Zellen bemerkbar macht (zumindest bei der Fruchtfliege). Viele neurogenerative Krankheiten (zum Beispiel Alzheimer und Parkinson), psychiatrische Erkrankungen, Übergewicht und Schlafstörungen gehen mit gestörten circadianen Rhythmen einher.

Novalogy (BUL)

Cutting-edge technology that brightens your day

Ayo ist eine smarte Brille des bulgarischen Unternehmens Novalogy. Sie vereint drei Anwendungen der Blaulicht-Therapie – für das Schlafen, für das Reisen beziehungsweise das Kurieren eines Jetlags sowie für das persönliche Energiemanagement. Zur verkauften Brille gehört ein Etui mit integrierter Powerbank. Es erlaubt die Brille auch unterwegs zu laden. In einer dazugehörigen App werden die personalisierten Behandlungen verwaltet und angepasst. Ayo verspricht seinen Nutzern mit mehr Energie in den Tag zu starten. Langfristig angewandt, würde eine tägliche 20-minütige-Therapie sowohl die «Sleep Patterns» als auch die «Energy Levels» verbessern. Die Erläuterungen des wissenschaftlichen Hintergrunds auf der Webseite offenbaren, dass sich auch Ayo mit der Chronobiologie beschäftigt. Und genau gleich wie der Ring von Oura kostet die Novalogy-Brille 300 Dollar.

Psious (ESP)

Healing minds with virtual reality

Psious ist eine Virtual Reality Plattform aus Spanien für Psychologie und mentale Gesundheit. Seit der Gründung 2013 hat man 70 virtuelle Situationen entwickelt. Zu den Problemen, zu denen man Simulationen designt hat, gehören die Angst vor Höhe und Spinnen, vor dem Fliegen oder vor Prüfungen. Die Szenarien seien von Psychologen entwickelt und die Umsetzung in realen Behandlungssituationen geprüft worden. Zudem hat man Achtsamkeits- und Entspannungsübungen ins Programm aufgenommen. Das Angebot für Spitäler, Psychiater und Psychologen umfasst neben einer VR-Brille, dem Zugang zu den entwickelten virtuellen Welten, eine Plattform mit der während der Exposition die Gesundheitswerte der Patienten überwacht werden können. In einer Academy werden die Neukunden in der Anwendung geschult. Mit psious@home hat man ein zusätzliches Produkt für Smartphones entwickelt.

Ably Medical (NOR)

Breaking the limits of the conventional hospital bed

Die auf Forschung und Entwicklung spezialisierte Preventive Health Company wurde 2015 gegründete und strebt für März 2021 die Markteinführung von neuartigen Spitalbetten an. Die Gründun des Unternehmens geht auf einen Workshop in einem Spital in der Nähe von Oslo zurück, in dem das heutige Design von Betten als «number one challenge» von Patienten und Pflege identifiziert wurde. Sie sind der Ort, wo Patientinnen und Patienten die meisten Zeit ihres Spitalaufenthalts verbringen. Doch die Betten haben sich seit 50 Jahren bezüglich Design und Funktionalität nicht verändert. Gleichzeitig würden die Pflegekräfte aufgrund der wenig funktionsfähigen Betten häufig unter Rückenprobleme leiden. Das smarte Bett von Ably Medical soll das Spital für die Pflege zu einem besseren Arbeitsort machen. Das technisch hochgerüstete Bett passt sich dem Körper an und folgt den Bewegungen der Patienten. Es kann sich in alle Richtungen drehen, wobei die möglichen Bewegungen auf Daten beruhen, die man über Jahre durch die häufigsten Bewegungen von Patienten und Pflege gesammelt hat.

Liva (DEN)

Improving lives through digital health coaching

Liva wurde 2015 von den eHealth Pionieren gegründet, die das Informationsportal netdoctor gegründet haben. Die App Liva bietet «Personal Health Programmes» für einen gesunden Lebensstil an. Chronisch Erkrankte sollen eine bessere Lebensqualität haben. Dabei setzt man auf digitale Interaktion. Technologie soll den Zugang zu therapeutischen Dienstleistungen erleichtern und die Beziehungen zwischen Patienten und Health Care Professionals stärken. Zum Angebot gehören In-App-Programme zu Übergewicht, Diabetes, Herzkrankheiten oder zur psychischen Gesundheit. Die Verschreibung und Überprüfung der Medikamenteneinnahme ist Teil der Lösung. In die App ist eine zweiseitige Plattform eingebaut. Patientinnen können einen persönlichen Gesundheitscoach auswählen, während die Coaches ihre Patienten und Termine verwalten können. Die Überprüfung des gesundheitlichen Wirkung der App erfolgte in klinische Studien.

Purposeful (GRE)

Data finds new uses for existing drugs

Mission des griechischen Start-Ups ist es neue Nutzungsmöglichkeiten von bereits existierenden Medikamenten zu finden. Dadurch sollen die Entwicklungskosten von neuen Medikamenten beziehungsweise die Anzahl Experimente reduzieren werden, die nötig sind, um vielversprechende Wirkungspotenziale zu entdecken. In seiner Tätigkeit konzentriert man sich auf die Behandlung seltener Krankheiten. Hintergrund dieser Fokussierung bilden 350 Millionen Menschen oder 95% der Patientinnen mit seltenen Krankheiten, für die eine adäquate Behandlung bisher fehlt. Bei der Arbeit von Purposeful kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz. Sie verknüpft genetische, chemische und biologische Daten. Covid-19 bietet dem Unternehmen einen klassischen Anwendungsfall. Für das Virus identifizierte man 42 Medikamente, die in der Behandlung des Virus hilfreich sein könnten.

Altoida (CH)

Reinventing Digital Biomarkers for better Brain Health

Altoida ist einer der zwei Gewinner des Swiss Healthcare Startups Booster Programms 2020. Ansässig in Luzern und Houston (USA), entwickelt das Unternehmen eine App, um ein Alzheimer-Risiko frühzeitig vorherzusagen. Gemäss dem deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung liegt Altoida in neun von zehn Fällen richtig. Ein zehnminütiger Test reiche, um die Prognose zu erstellen. Dabei kommen Augmented Reality Spiele auf Tablets oder Smartphones zum Einsatz. Das Angebot von Altoida basiert auf zwei Jahrzehnten Erfahrung mit 200 Studien und 3000 Risikopatientinnen. Hintergrund der angebotenen Dienstleistungen bildet einerseits die Zunahme der Erkrankungen. In den USA soll es bis 2050 knapp 6 Millionen Alzheimerpatienten geben. Anderseits wird Alzheimer häufig zu spät erkannt. Doch je früher man die Krankheit entdeckt, desto besser lässt sich deren Verlauf beeinflussen. Neben diagnostischen Hilfsmitteln arbeitet Altoida an Programmen, um den Verlauf der Krankheit zu beobachten und durch Trainings zu verlangsamen.

1 Drop Diagnostics (CH)

Better, Faster, Portable Medical Diagnostics

Wie Altoida gibt auch 1 Drop Standorte in der Schweiz und den USA an – in Neuenburg und Boston. Vision des Start-Ups ist es die Lebensqualität durch Präzisionsmedizin und nicht-invasive diagnostische Test zu verbessern. Medizinische Tests sollen für alle zugänglich sein, immer und überall. Man kann sich vorstellen dass eines Tages in unserem Badezimmer eine solche Maschine steht. Gemäss Firmenname reicht ein Tropfen Körperflüssigkeit, um die Analysen durchzuführen. Für die Diagnostik kommen neben Blut, Speichel, Urin und Tränenwasser in Frage, vielleicht auch Sperma? Im Vordergrund der Entwicklungssktivitäten von 1 Drop liegt momentan ein Bluttestgerät. Mit einem Tropfen Blut kann man die wichtigsten Werte von Herz, Kreislauf, Leber und Nieren erfassen und anschliessend auf einem Smartphone anzuzeigen beziehungsweise verwalten. Seit dem 6. März 2020 befindet sich eines der mobilen Labors im Weltraum. Eine Trägerrakete von Elon Musks SpaceX brachte es zur Weltraumstation ISS.


Fazit

Health-Hardware feiert ein Comeback
Nachdem frühere Health-Einhörner viel über Daten und Künstliche Intelligenz gesprochen haben, wächst nun eine Generation von Start-Ups auf, die vermehrt medizinische Geräte und Wearables herstellen. Dazu gehören Testgeräte für Zuhause und unterwegs, smarte Spitalbetten, Robotik für den Operationssaal sowie nicht invasive Untersuchungsgeräte.

Die Telemedizin steht vor dem Durchbruch
Dabei wirkt Covid-19 als Innovationsverstärker. Es ist anzunehmen, dass sich im telemedizinischen Markt gemäss den Gesetzen der Plattformökonomie langfristig wenige grosse Unternehmen durchsetzen. Entsprechend werden sich die Start-Ups ganz gemäss dem Einhornkapitalismus am Prinzip des Blitzscaling orientieren.

Chronobiologie und Genetik flankieren den Aufstieg der personalisierten Medizin
Diagnostik erfolgt künftig digital und datenorientiert – danach werden Eingriffe, Medikamente und Therapien individuell gemäss Datenlage festgelegt. In der Konsequenz verlieren Standard-Diagnosen an Bedeutung. Personalisierte Gesundheit macht nur dann Sinn, wenn die Systeme aller Anbieter Zugriff auf die Daten haben. Die meisten hier vorgestellten Unternehmen arbeiten mit Apps, offen bleibt die Frage der Integration der produzierten Daten.

Die Einhörner entdecken die mentale Gesundheit.
Angeboten werden Gesundheitschoaches, Virtuelle Realitäten, telemedizinische Therapien und Zugang zu Psychopharmaka. Bei diesen Angeboten wie auch bei den aufsteigenden Tele-Apotheken ist am offensichtlichsten, wie die Einhörner weiter an der Verwischung der Grenzen von Gesundheit, Wellbeeing und Lifestyle arbeiten.


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