Tromso, 2013

In Tromso habe ich noch weniger gemacht als in Trondheim oder auf den Lofoten. Ich bin durch die Strassen gelaufen, habe mich in die Quartiere vorgestastet, habe in den Kaffes doppelte Espressos getrunken, die Leute beobachtet und am Schattenzeitalter geschrieben. Ich habe das Museum für moderne Kunst besucht und eine Installation betrachtet, bei der Maschinen Oliven von den Bäumen schütteln. Ich setzte mich in ein Kino, um war zum zweiten Mal in diesen Ferien vom Wesen des Ryan Gosling fasziniert.

Der Schnee liegt meterhoch, in der Stadt türmen sich Schneeberge und in den weniger benutzten Strassen wird der Schnee höchtens auf der Randsteinen in die eine Richtung entfernt. Tromso ist nicht wirklich schön, es liegt auf einer Insel die mit einer hässlichen Brücke einen anderen Stadtteil zugänglich mache. Aber Tromso ist gemütlich. Es gibt keine hohen Häuser und an allen Ecken finden sich Kaffees. Die Arbeit scheint sich auf ein Minimum zu beschränken, die Geschäfter öffnen nicht länger als von 10 bis 4. Nach vier kehrt merkwürdige Ruhe ein, die sich dann mit dem Anbruch des Abends in bierseliges Zusammensein verändern wird.

Erholt bin ich nicht nach diesen Tagen. Zuviel habe ich gearbeitet, zu sehr liess ich mich von unerledigten Projekten gefangen nehmen. Zu sehr habe ich in der Sorge und in der Vorfreude gelebt, zu wenig im Moment, zu wenig im Nichts. Ich habe schlecht geschlafen in den letzten Nächten. Nun warte ich in der Lobby, dass die Heimreise beginnt. Baulärm, weibisches Gelächter und Kinderkram ertrage ich nicht mehr. Ich sitze hier in einer unbestimmten Leere, einem Schatten von Einsamkeit, einem Anflug von Traurigkeit.

Und doch bin froh, dass der Rhythmus wieder einsetzt, das Streicheln der Katzen, das Sitzen vor einem grossen Bildschirm, das Trainieren der Muskeln und irgendwann das Biertrinken mit meinen Freunden.

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