Management in der Multi­options­gesellschaft, 2009

“Management in der Multioptionsgesellschaft” ist die Dissertation von Joël Luc Cachelin. Sie wurde von Prof. Dieter Euler und Prof. Peter Gross betreut. Sie stellt sich die Frage, was Management in Zukunft sein könnte und welche Folgen diese Vorstellung für das BWL- Studium hat.

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Geleitwort von Dieter Euler

Als der Autor die nunmehr vorliegende Untersuchung begann, konnte er kaum ahnen, wie aktuell sein Thema zum Zeitpunkt der Fertigstellung werden würde. In mitten einer Wirtschafts- und Finanzkrise, die weithin als die schwerste nach dem Zweiten Weltkrieg gilt, rückt die Frage nach der angemessenen Ausbildung zukünftiger Manager und Wirtschaftsführer ganz nach oben auf der Agenda ungeklärter Probleme. Damit soll nicht den vorschnellen Verkürzungen gefolgt werden, die zumeist der Kausalkette folgt: Unmoralisch und raffgierig handelnde Wirtschaftsführer Ausbildung an Wirtschaftshochschulen mit einer neoliberalen Doktrin ökonomistisch verengtes Curriculum. Dennoch: Die betriebswirtschaftliche Ausbildung steht in einem neuen Kontext und muss sich fragen, welche Möglichkeiten und Grenzen sie in der Vorbereitung des Management Nachwuchses besitzt.

Herr Cachelin nimmt diesen Kontext breiter und grundsätzlicher auf und fragt, welche Implikationen das durch den Terminus ‚Multioptionsgesellschaft‘ konturierte Verständnis von Gesellschaft und Wirtschaft auf die Ausbildung von zukünftigen Managern haben soll. Wie jede wissenschaftliche Arbeit widmet sich auch diese zunächst nicht unmittelbar der Bildung von Menschen, sondern der Bildung von Begriffen. Entsprechend werden das vertretene Managementverständnis ausgewiesen und auf der Basis einer fundierten Literaturstudiums zentrale Merkmale der Funktion und des Handlungsfeldes Management herausgearbeitet. Es folgen grundlegende bildungs- und lerntheoretische Überlegungen.

Die skizzierten „Theorie Bausteine“ bilden die Ausgangspunkte (man könnte auch sagen: Stichwortgeber) für den normativen Entwurf eines erstrebenswerten Betriebswirtschaftslehrestudiums. Das Ergebnis findet sich in Form eines „Manifest zum Betriebswirtschaftsstudium in der Multioptionsgesellschaft“. Hier verbindet der Autor zunehmend wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Bekenntnisse: „Es ist ein Manifest, das Werte und Vorstellungen der Zukunft enthält. Es ist ein Manifest, das zu Diskussionen anregen soll.“ Viele Ausführungen sind entsprechend nicht als Beweise, sondern als Verweise auf notwendige Anschlussdiskurse zu interpretieren. Als roter Faden ist ein bildungstheoretisches Grundverständnis erkennbar, das auf Persönlichkeitsbildung, der Entwicklung von überfachlichen Kompetenzen sowie einer Auseinandersetzung mit fachlichen und überfachlichen Problemen abhebt. Die in dem „Manifest“ dokumentierten Überlegungen werden schließlich in Form einer Fallstudie über die Universität illustriert, deren Curriculum der Autor als Studierender selbst erleben und erfahren konnte.

Die vorliegende Arbeit bietet einen Steinbruch an interessanten Ideen und Anregungen. Nicht das abgeschlossene, fertige Konzept, sondern der Aufriss von neuen Perspektiven steht im Vordergrund. In unserer Zeit der gescheiterten Probatlösungen viel leicht eine demütige, daher aber gerade angemessene Haltung im Umgang mit neuen Unsicherheiten.

Zusammenfassung

Die Multioptionsgesellschaft, verstanden als Zusammenspiel der drei sozialen Transformationskräfte Entobligationierung, Optionierung und Individualisierung verändert die menschlichen Bedürfnisse. Das Individuum sieht sich mit der Aufgabe konfrontiert, sein Leben vollständig selbständig organisieren zu müssen. Im Rahmen der Dissertation wird diese Selbstorganisation als Identitätsarbeit aufgefasst. Zu diesem Zweck begibt sich das Individuum in die Arme der Organisationen, die Relieve und Enable- Leistungen zur Verfügung stellen. Im Zuge der veränderten Bedürfnisse bilden sich neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Organisationen und ihren Anspruchsgruppen heraus. Die Kunden werden als Ressource der Organisation bewirtschaftet. Die Mitarbeitenden werden in gesättigten Märkten zur zentralen Ressource der Organisation. Sie wollen und müssen sich durch ihre Arbeit selber verwirklichen. Die Mitarbeitenden sind Markenbotschaftern und setzen die Marken versprechen der Organisation im Moment der Wahrheit in konkrete Problemlösungen um. Im Moment der Wahrheit entsteht die Situation, dass Mitarbeitenden und Kunden gleich zeitig an ihrer Identität arbeiten. Gemeinsam bilden sie die Identität einer Organisation heraus, die auch als Beitrag zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems verstanden werden kann.

Die Arbeit präsentiert ein Managementmodell, welches auf dem St.Galler Managementmodell basiert. Das entwickelte Modell bildet die Grundlage für die Entwicklung eines Curriculums des Betriebswirtschaftsstudiums im pädagogischen Teil der Arbeit. Das Curriculum forciert die Identitätsarbeit der Studierenden und verlangt dass die Studierenden mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen. Management beschäftigt sich demnach nicht nur mit dem Wohl der einzelnen Organisation, sondern auch mit dem Wohl der Gesellschaft und des einzelnen Individuums.

Die Arbeit schliesst mit einer Fallstudie der Universität St.Gallen und zeigt, wie diese noch besser auf die Herausforderungen der Multioptionsgesellschaft eingehen könnte.

Warum Manager es nicht leicht haben”

Artikel erschienen auf der Homepage des Springer-Verlags

Moderne Manager sind stark gefordert: Die wachsende Dynamik der Multioptionsgesellschaft verlangt Höchstleistungen und auch gesellschaftliche Kompetenz von ihnen. Der Springer Autor Joël Luc Cachelin weiß, warum neue Zeiten neue Manager brauchen und worauf es für sie ankommt.

Die Komplexität in Unternehmensorganisationen unserer Gesellschaft steigt stetig. Daraus ergibt sich für Manager von heute, dass Ansprechpartner, Abläufe und Prozesse sich dynamisch verändern. Die Wirtschaftskrise hat nicht zuletzt gezeigt, dass eine Anpassung an sogenannte Multioptionsgesellschaften mit ihren vielen Möglichkeiten und Anforderungen nötig ist und schon in der Ausbildung von Managern berücksichtigt werden sollte. Für das Management gelten dabei andere Werte und andere Systeme sind wichtig. Diesen Wandel zu akzeptieren, ist für Manager mitunter schwer, da sie sich oft von alten Führungsvorstellungen verabschieden müssen, die auf dem Grundprinzip fußten, dass sie mithilfe ihrer gewohnten Managementsysteme schon alles unter Kontrolle halten. Der Springer-Autor Dr. Joël Luc Cachelin, Gründer und Geschäftsführer der Wissensfabrik in Sankt Gallen, Schweiz, beleuchtet in seinem Springer-Buch “Manager in Multioptionsgesellschaften” als Gegenentwurf wertvolle Aspekte des modernen Managements: Wie können Führungskräfte von heute neue Wege gehen und zu einer anderen Identität finden?

Raum für Wertschöpfung

Cachelin vertritt die These, dass es für moderne Unternehmenslenker vor allem auf “weiche Koordinationsmechansimen” ankommt. Sie verzichten auf direkte Interventionen in Unternehmensorganisationen. Sie lassen Mitarbeitern Raum für die Selbstorganisation und koordinieren die Wertschöpfungsbeiträge von Mitarbeitern und anderen Anspruchsgruppen. Manager müssten sich neben Unternehmen auch mit der Gesellschaft und ihren Individuen auseinandersetzen, meint Cachelin. Welche Folgen dies unter anderem auch für den Human-Resources-Bereich hat, zeigt er in seiner HR-Trendstudie 2012 zu “Folgen der Digitalisierung – Neue Arbeitswelten, neue Wissenskulturen und Führungsverständnisse” näher auf. Sie basiert auf den Ansichten von Managern in Unternehmen zur Frage, welche gesellschaftlichen, politischen, technologischen oder ökonomischen Veränderungen (Trends, Megatrends) sich besonders stark auf das Unternehmen auswirken, in dem diese gegenwärtig tätig sind. Dabei ergeben sich vier zentrale Handlungsbereiche:

Manager tragen gesellschaftliche Verantwortung

Im Buchkapitel “Management in der Multioptionsgesellschaft” (S. 94 - 116) zieht der Buchautor den Quervergleich zur Politik: Ebenso wie sie sei auch das Management für das Wohl der Gesellschaft verantwortlich. Eine Orientierung am kurzfristigen finanziellen Erfolg verhindert dabei jedoch aus Sicht des Autors oft, dass Unternehmen langfristige Erfolgspotenziale ins Auge fassen. Manager der Neuzeit sind darin mit Herausforderungen konfrontiert, die ihre Stellung auch in Zukunft untermauern, schließt Cachelin, und stellt die entscheidenden Fragen - nämlich: Wem gegenüber ist die Unternehmensführung verantwortlich und wofür, worauf beruht künftig ihre Macht und woher bezieht sie ihre Legitimation? Dabei haben ihre Mitglieder mehr Möglichkeiten und Stellhebel als die Politik, um Systeme und die Menschen, die darin arbeiten zu beeinflussen.

Fazit: Moderne Unternehmenslenker tragen neben der unternehmerischen Macht die Verantwortung, eventuelle künftige Probleme von Mitarbeitern, Organisation und Gesellschaft zu lösen und einem Missmanagement nicht zuletzt durch rechtzeitige Aus- und Weiterbildung vorzubeugen.

Atlas des Humankapitals Management by Identity Internet:Gott Archiv