Währungsorientiertes HRM

HR als Investorin der (digitalen) Zukunft

Berater, CEOs und Experten fordern seit Jahrzehnten ein neues Human Resources Management. Man spricht von Human Relations oder von People Operations, wobei neue Aufgaben und Kompetenzen gefordert werden. Für den Umbau des HRM gelten die folgenden Prämissen:

Digitale Disruption
Die Digitalisierung ist die wichtigste Veränderungskraft in Wirtschaft und Gesellschaft. Neue Geschäftsmodelle und Technologien bedrohen sichere Märkte. Transparenz und neue Konkurrenten verringern die Margen.

Disruption der Arbeitswelt
Die Disruption der Aussenwelt zieht zwangsläufig eine Disruption der Innenwelt nach sich. Die Innenwelt muss die Komplexität der Aussenwelt widerspiegeln – also eine hohe technische, soziale und ökonomische Vernetzung aufweisen.

Mensch als Erfolgsfaktor
Der Mensch ist der wichtigste Erfolgsfaktor der digitalen Wirtschaft. Er erfindet neue Bedürfnisse und Möglichkeiten um diese zu befriedigen. Je mehr die immateriellen Bedürfnisse in den Vordergrund rücken, desto wichtiger der Mensch.

Mensch-Maschinen-Symbiose
In der Belegschaft eines Unternehmens gibt es immer mehr sichtbare (Roboter, Automaten, Drohnen) und unsichtbare Maschinen (Algorithmen). Ohne Maschinen können Mitarbeitende nur einen Bruchteil ihrer Wertschöpfung erbringen.

Damit eine Organisation überlebt, braucht es eine permanente Anpassung der Mensch-Maschinen-Symbiose an die Umwelt. Genau dies ist die Aufgabe von HR, wobei es mehr Fokus auf der Gestaltung des Umfelds braucht, in dem Wertschöpfung erbracht wird. Nicht Prozesse definieren die Tätigkeit, sondern die Unternehmensstrategie.

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HR-Währungen und deren Funktionen

Um diesen Perspektivenwechsel zu vollziehen, wird hier das Konzept der HR-Währung vorgeschlagen. Damit sind Eigenschaften der Innenwelt eines Unternehmens gemeint, die den Unternehmenserfolg beeinflussen. Währungen beschreiben den Zustand beziehungsweise den Reichtum eines Systems. Sie erfüllen drei Funktionen:

Zahlungsmittelfunktion: Währungen ermöglichen im allgemeinen Tauschgeschäfte. HR Währungen kaufen nicht etwas, sie beeinflussen aber den Unternehmenserfolg.

Wertmasstab und Recheneinheit: Währungen messen den Zustand eines Unternehmens. Das ermöglicht es im Sinne des Controllings, verschiedene Zustände zu vergleichen.

Wertbewahrungsmittel: HR Währungen stellen Investitionsobjekte dar. Aufgrund begrenzter Ressourcen gilt es abzuwägen, welche Währungen man beeinflussen will.

Die Auswahl der Währungen hängt von der unternehmerischen Situation ab, wobei aufgrund der anhaltenden Veränderung immer wieder neue Währungen entstehen beziehungsweise in den Fokus rücken:

Gesundheit: Physische und psychische Wohlbefinden der Wertschöpfenden

Engagement: Gefühlte Zugehörigkeit und Identifikation mit dem Arbeitgeber

Netzwerke: Vernetzung mit anderen Menschen und Unternehmen

Diversity: Vielfalt an unterschiedlichen Wertschöpfenden

Wissen: Wissen in und über Organisation sowie deren Währungen

Innovationskraft: Fähigkeit Organisation, Produkte und Prozesse zu erneuern

Aufgabe von HR ist es einerseits den “Zustand der Währungen” aufzuzeigen und anderseits dafür zu sorgen, dass sie an Wert gewinnen. Der Wert der Währungen ist ein Ergebnis von Aktivitäten, die neben HR von der Unternehmensführung, der Linie und den einzelnen Mitarbeitenden getätigt werden.

Investitionsmöglichkeiten

HR wird durch diesen Perspektivenwechsel zum Investor des Unternehmenserfolgs. In vier Aufgabengebiete ist ein klarer Einfluss auf die Währungen erkennbar:

Design des Umfelds
HR wird durch den Perspektivenwechsel zu einem Gestalter des Umfelds, in dem sich die Währungen vervielfachen. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitsverhältnisse, die Arbeitsumgebung, die IT oder die Aufbauorganisation.

Fokus auf Multiplikatoren
Durch den Fokus auf Multiplikatoren kann HR die Vervielfachung der Währungen forcieren. Die Gewinnung, Entwicklung und Bindung ist besonders bei jenen Mitarbeitenden wichtig, die grossen Einfluss auf die definierten Währungen haben.

Befähigung zur HR-Arbeit
HR steigert den Wert der Währungen, in dem es Mitarbeitende und dabei insbesondere Führungskräfte und Multiplikatoren befähigt, positiv Einfluss auf die Währungen zu nehmen. Befähigung passiert durch Personalentwicklung, Services und ein HR-Portal.

Staus beseitigen
Eine weitere Aufgabe besteht darin, den Fluss der Währungen zu garantieren. Besonders heikel scheinen die Konzentration von Wissen und Macht zu sein, weil sie die Anpassungsfähigkeit eines Unternehmens behindern.

Die Orientierung an den Währungen und damit am Unternehmenserfolg verstärkt die Ökonomisierung des Humankapitals. HR ist deshalb aufgefordert, die Gefahren der Übereffizienz zu dämmen. Das gelingt am besten, wenn in Währungen investiert wird, die dem reinen Leistungsdenken entgegenstehen.

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