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Hong Kong, 2010

Weil ich meinen Körper heute zu lange in der drückenden Hitze Hong Kongs gebraten habe, komme ich schon um 19.44 Ortszeit dazu, den geplanten Newsletter zu verfassen. Ich glaube, ich leide unter einem Sonnenstich. Das Kopfweh habe ich betäubt, die Buchstaben auf dem Bildschirm schwimmen ohne Brille noch etwas stärker als sonst. Durch Laptop und Internet bleibe ich mit der Heimat vernetzt und verbunden.

Meine spätmoderne dekadente Ego-Reise begann am Mittwochabend in Zürich Kloten. Die penible Selbstkontrolle dehnte den Aufenthalt am Flughafen auf unnötige zwei Stunden aus. Auf dem kleinen Bildschirm auf der Lehne meines Vordermannes wurde ein Ehepaar verwechselt. Die leichte Filmkost war genau das richtige, um über den Wolken einzuschlafen. An Bord konnte ich länger geschlafen als ich erwartet hatte. Beim Erwachen wurde das Frühstück serviert.

Warum überrascht es mich nicht, dass ich in Hong Kong herausgepickt wurde und mein Gepäck röntgen lassen musste? Immerhin wurde dieses Mal mein Laptop nicht auf Sprengstoff überprüft. Die Weiterreise verlief reibungslos, der Airport-Express rauschte mit Überschall über Brücken durch die Inselwelten. Von der Haltestelle wollte ich ins Hotel laufen. Aber als ich mich nach 30 Minuten in einem gigantischen Kaufhaus verirrt hatte, suchte ich ein Taxi auf.

Es folgten drei Tage im feuchten Klima der globalisierten asiatischen Stadt. Hong Kong ist eine tolle Stadt mit tollen Menschen. Die Stadt ist gewiss auch asiatisch, in vielerlei Hinsicht aber einfach ein Zentrum wie jedes andere. Die Häuser ragen hoch in den Himmel. Die Kulturen leben in- und nebeneinander. Der Konsum lauert an jeder Ecke. Die Asiaten erlebe ich bisher ausgesprochen höflich und dienstleistend. Ob dies in der Kultur tief verwurzelt ist, oder ob es Erfordernisse von Tourismus und Konsumgesellschaft sind, weiss ich nicht.

Die Menschen in Hong Kong sind überraschend jung und überraschend schön. Das Asiatische mischt sich mit der globalen Popkultur. Die Pop-Asiaten tragen grosse markante schwarze Brillen und bunte Kleidung. Die klassische Asiaten-Frisur gibt es nicht mehr, vor allem bei den Männern nicht. Alte Menschen sieht man wenig und wenn, dann werden sie meist von der jüngeren Generation unterstützt. Die Menschen tragen auffallend viel Parfum. Ich vermute, die Asiaten wollen nicht durch ihre Körpergerüche auffallen; was wiederum dazu führt, dass ich selbst dauernd meine Düfte überprüfe. Meist stelle ich aber einzig fest, dass meine Kleidung nass geworden ist.

Den grössten Flop habe ich heute beim Besuch einer Insel erlebt, etwa eine Stunde Schifffahrt von Central entfernt. Auf der Insel war es noch heisser als in Hong Kong. Die Insel war klein und hässlich, das Wasser braun. Ich wurde von einem Insekt gestochen (hoffentlich kein Malaria-Vieh). An den Märkten stank der trocknende Fisch bestialisch. Zwei farbige Salamander (immerhin lebend) stellten das Highlight meiner Visite dar.

Das beste an Hong Kong sind die vielen Schifffahrten. Bei jeder Gelegenheit habe ich das Schiff genommen, um die Stadtseite zu wechseln, um bei untergehender Sonne den Hafen zu erkunden oder um eine abgelegene Insel zu erreichen. Die Skyline ist vor allem am Abend atemberaubend. Als Spektakel wird eine halbstündige Lichtshow aufgeführt, so ähnlich wie bei uns am ersten August, einfach mit Hilfe der Lichter der Hochhäuser, angeblich mit Solarenergie. Ein vorbeifahrendes Schiff bitte die Gäste der Show - zwecks Energiesparens - nicht mit Blitz zu fotografieren. Die Lightpollution ist trotzdem sagenhaft.

Den grössten Flop habe ich heute beim Besuch einer Insel erlebt, etwa eine Stunde Schifffahrt von Central entfernt. Auf der Insel war es noch heisser als in Hong Kong. Die Insel war klein und hässlich, das Wasser braun. Ich wurde von einem Insekt gestochen (hoffentlich kein Malaria-Vieh). An den Märkten stank der trocknende Fisch bestialisch. Zwei farbige Salamander (immerhin lebend) stellten das Highlight meiner Visite dar.

Den grössten Schock habe ich gestern Abend erlebt. Nach dem Internetbesuch klopfte es an der Türe. Ich war mir sicher, dass mich nun die chinesische Geheimpolizei wegen dem Besuch von unzüchtigen Seiten mitnehmen würde. Vor der Türe standen aber nur zwei Vertreter des Roomservices. Morgen geht es weiter nach Peking, vielleicht darf ich dort mein Gepäck ein weiteres Mal röntgen lassen. Die nächste Botschaft folgt in 4 Tagen.

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