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Ver-rückte Diskurse – Wissensatelier 7, 9. Januar 2020

Verrückte Zeiten! Einhörner wollen alles mögliche ans Internet of Everything anschliessen. Hinter ihnen verbergen sich milliardenschwere Investoren, die noch wildere Pläne hegen. Sie träumen von genetisch veränderten Menschen und Mondbasen. Am Horizont erwarten uns eine Gesellschaft der Hundertjährigen, das Voice Computing, die biologische Revolution und eine ökologische Wende. Die Diskussion um die Generation Y verblasst, es stösst eine idealistischere, kreativere Jugend nach.

Das Atelier 7 widmet sich ver-rückten Diskursen. Was früher wichtig war, verliert an Bedeutung. Was früher verrückt war, wird selbstverständlich. Wir sprechen über veränderte Differenzierungsmerkmale, veränderte Diagnosen der Wissensgesellschaft, über neue Ideale in der Wirtschaft der Zukunft und über Biographien, in denen sich Prioritäten verschieben.

Fotoquelle Julia von Lucadou: Maria Ursprung

Programm

Ab 09.00

Kaffe und kleines Frühstück

09.45-10.00

Intro

10.00-10.35

Ver-rückte Zeiten
Julia von Lucadou, Autorin “Die Hochhausspringerin“

Das VERRÜCKTE ist für mich als Autorin und Psychologentochter hochinteressant. Im VERRÜCKEN der Verhältnisse blüht das Potential der Veränderung, der Reflexion, des Umdenkens. Aber das VERRÜCKTE macht auch Angst, droht doch der Verlust von Sicherheit und Kontrolle.

10.35-11.10

Ver-rückte Differenzierungsfaktoren
Michèle Etienne

Um nachhaltigen Erfolg sicherzustellen, müssen wir je länger je mehr ausserhalb der gewohnten Bahnen denken; sei es bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen, in der Rekrutierung oder im Umgang mit dem Fach- und Führungskräftemangel. Das Denken in neuen Perspektiven ist auch zentral, um frühzeitig neue Player im Markt zu erkennen, die eine Konkurrenz zu den herkömmlichen Geschäftsmodellen darstellen können.

«Ver-rückte Diskurse» ermöglicht es, die eigene Sensibilität für das sich in Umbruch befindende Umfeld zu erhöhen und kognitive «Blind Points» abzubauen.

11.10-11.50

Pause

11.50-12.30

Ver-rückte Biographien
Talk mit Markus Merz, CEO Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

14.00-14.35

Ver-rückt!
Spokenword Performance mit Kyra Mevert

14.35-15.15

Ver-rücktes Wirtschaftssystem
Céline Fallet, Geschäftsleitung wemakeit

Wie werden neue Finanzierungssysteme unseren Alltag verändern? Welche Wichtigkeit trägt die Community darin? Verrückt sich unser Wertesystem? Ver-rückte Diskurse ermöglicht einen Austausch über die vor der Tür stehende digitale Zukunft der Wirtschaft, in der etablierte Wirtschaftssysteme in Frage gestellt und neu gedenkt werden sollen.

15.15-15.55

Pause

15.55-16.30

Ver-rückte Diskurse der Wissensgesellschaft
Fabian Grütter, Historiker der Wissensgesellschaft

16.30-16.45

Abschluss

Zusammenfassung

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt – und stärker auf Sinn und Werte gekuckt! So vieles können wir schneller, effizienter und besser dank neuen Technologien. KI nimmt uns Arbeit ab. Chatbots werden uns zuhören und sich um uns kümmern. Aber wie menschlich werden sie sein? Wie menschlich werden wir sein? Werden wir uns die Zeit nehmen, um nichts zu tun? Wann wird die Utopie zur Dystopie – und wie gelingt es aus der heutigen Gefangenschaft der Dystopien auszubrechen?

Wir wollen Innovation und Andersartigkeit – aber bitte so wie bisher! Sprechen über Innovation ist einfacher als sich mit dem Anderen zu arrangieren. Radikaler Wandel stösst viele vor den Kopf. Sicherheit und Strukturen können helfen, um zu ver-rücken. Ohne Flipchart keine Rebellion – zumindest in der Schweiz. Soll das Verrücken stattfinden, sind (vermeintliche) Widersprüche zu vereinen: Alt mit Neu, Erfahrung mit Querdenken, Euphorie mit Skepsis, Bewahren mit Fortschritt.

Der Clash of Civilization wird zum Clash of Generations! Immer offensichtlicher treffen Weltanschauungen, Gewohnheiten, Regeln und Werte des 20. Jahrhunderts auf ihre Versionen des 21. Jahrhunderts. Die resultierenden Generationenkonflikte sind potenzielle Quellen der Innovation. In der Spannung ver-rückt vielleicht das Unerwartete. Die Position des Gegenübers einzunehmen, die eigene Perspektive zu ver-rücken, kann Wunder bewirken.

Wissen verrückt! Wissen ist politisch – und war es immer. Folglich verändert es sich nicht nur durch neue Technologien, sondern auch durch neue politische Verhältnisse. Der Blick zurück hilft zu sehen, wie sich Diskurse veränderten und historischer Kurzsichtigkeit vorzubeugen. Helfen Zeitreisen aus den Endlosschlaufen der Gegenwart auszubrechen? Wer weiss: vielleicht treffen wir in der Vergangenheit auf die Zukunft.

Wage den Sprung! Riva, die Hochhausspringerin, wagt es. Und wir? Die Gesellschaft ver-rückt erst, wenn wir selbst wagen, zu ver-rücken. Wir zeigen unsere verletzliche Seite, sprechen aus, was wir denken und gestehen, nicht alles (oder nichts) zu wissen. Gesellschaft und Unternehmen können das Springen unterstützen. Das bedingt zu prüfen, was Frauen, die Gen Z oder die 100-jährigen brauchen, um den Sprung zu wagen.

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