6. Wissensatelier, 17. Januar 2019

Intensität - Zwischen Makro- und Mikro-Strukturen

Das Thema

Wir leben in Zeiten des wirtschaftlichen Strukturwandels. Dabei verändern sich gleichermassen die Kundenbedürfnisse, die Organisationsformen wie auch die für Unternehmen und Individuen entscheidenden Kompetenzen. In den Fokus rückt maschinenseitig die Integration der richtigen Technologien. Auf der menschlichen Seite sind Kreativität und Beziehungen gefragt. Eines ist diesen Entwicklungen gemein: Es geht darum, die Intensität zu steigern - sei es im Streben nach Geschwindigkeit, Innovation, Erlebnissen oder der Sinnsuche durch Arbeit.

Im sechsten Atelier gehen wir der Frage nach, in welchen Strukturen diese Suche nach Intensität künftig versucht wird zu maximieren. In Co-Existenz mit riesigen Plattformen blühen gegenwärtig Mikro-Unternehmen auf, die Regionales, Expertise und die Kreislaufwirtschaft pflegen. Gleichermassen suchen wir am Atelier nach Wegen, um die Intensität aus Sicht von Kunden und Mitarbeitenden zu steigern. Schliesslich geht es darum, die Grenzen des Intensitätsstrebens zu entlarven. Je mehr das Intensive zur Obsession wird, desto wichtiger dürften Reflexion, Stille und Verzicht werden.

Das Atelier 6 betrachtet das Thema der Intensität aus sechs ganz unterschiedlichen Perspektiven – aus Sicht der Ökosysteme, der Markenführung, der Körperkunst, der Mikro-Unternehmen, der Beziehungen sowie der Geschichte. Eingeladen sind alle, die Lust haben, diese Fragen aus Sicht von HR, Innovation, digitaler Transformation sowie der Zukunft der Arbeit in einer ungezwungenen Atmosphäre und einer überschaubaren Gruppe zu diskutieren.

Referierende und Programm

Zusammenfassende Thesen

Am Schluss des Tages standen fünf Thesen:

Ein neuer Taylorismus droht

Geschichtliches Wissen hilft die tatsächlichen Bedrohungen der Digitalisierung einzuschätzen. Die eigentliche Gefahr der gegenwärtigen Transformation der Arbeit könnte (statt in einem Wegfall tausender Arbeitsplätze) in einer Renaissance des Taylorismus bestehen – wobei Algorithmen die Rolle der Überwacher übernehmen. Dann führt der technologische Wandel nicht nur zur Einschränkung unserer Freiheit, sondern über die Zerstückelung der Arbeit auch zu reduzierter Intensität.

Kann ich, will ich – muss ich?

Die Wirtschaft sucht zuerst nach Möglichkeiten – um effizienter, schneller, kostengünstiger, innovativer zu werden. Ein Tätowierer kann durch belanglose Motive sein Terminbuch füllen, eine Bank durch Roboter alle Mitarbeiter ersetzen. In einer Ökonomie des Überflusses aber wechselt der Fokus vom «können» zum «wollen» oder gar zum «müssen»: Wofür wollen wir unsere Energie und Fähigkeiten, wirklich einsetzen? Wo fühlen wir uns verpflichtet, etwas zu ändern?

Halt mal kurz inne

Intensität setzt Reflexion voraus – und die beginnt stets beim Individuum. Durchatmen und Nachdenken sind notwendig, damit wir unsere Individualität ausleben und das Intensive entdecken und geniessen können. Erst aus Distanz erkennen wir, welchen Weg wir gehen wollen, ob wir Trends wiederholen oder neu interpretieren wollen, wo sich die Intensität jenseits des Lauten und Grellen versteckt. Allerdings lässt die heutige Arbeitswelt dieses Innehalten kaum zu.

Das Narrativ wird Realität

Auf Unternehmensebene bedeutet Innehalten ein glaubwürdiges Narrativ zu entwickeln, das klärt, warum man was tut. In einer von Komplexität und Unsicherheit geprägten Zukunft werden jene Unternehmen Erfolg haben, bei denen das Narrativ mit der Realität verschmilzt. Sie hilft nicht nur nachhaltigere Produkte anzubieten. Sie stärkt die Glaubwürdigkeit und Attraktivität des Arbeitgebers – gerade vor dem Hintergrund einer verstärkten Suche nach sinnvoller, intensiver Arbeit.

Werkzeuge der Intensität: Neugier und Mut

Intensität kann sich überall verbergen – und plötzlich dort fehlen, wo sie immer war. Sie ist nicht permanent, sondern selten, zögerlich, flüchtig. Um das Intensive zu entdecken, braucht es häufig Stille, Langsamkeit, Alleinsein. Der Weg des Entdeckens ist ebenso wichtig wie der Effekt. Ohne Mut sich aus der Komfortzone zu wagen, ohne Konfrontation mit den eigenen Unsicherheiten, ohne einen gewissen Schmerz, geht die Intensität nicht unter die Haut.

Bisherige Ateliers

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